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Der Limes Der Ausdruck "Limes" stammt aus der Sprache der römischen Landvermesser und bedeutet Weg, Feldrain, Schneise, Besitzgrenze. Hier markiert er die Grenze des römischen Weltreiches. Teils wurde er durch Flüsse und Gebirge gebildet, häufig auch durch einen möglichst geradelinig auf einem Wall verlaufende Patrouillenstraße, an der man in gewissen Abständen Wachtürme baute. Lateinisch decumates agri, - "Zehntland" -. Bei dem römischen Geschhchtsschreiber Tacitus bezeichnet dieses Wort das Land zwischen Rhein und Donau, heute Baden-Württemberg und das Ries. Der Kaiser Domitian hat es den römischen Reich einverleibt und durch den Limes gesichert. In vorrömischer Zeit war es von Kelten besiedelt, später zusätzlich von verabschiedeten römischen Legionären. Nach 258 wurde es von Allamannen erobert.
Der Rätische Limes, der zunächst als Wallgraben (um 84 n. Chr.), später als Palisadenzaun und schließlich als feste Mauer von 3 m Höhe und 1,2 m Breite ausgeführt wurde, beherrschte mit seinen in Sichtweite zueinander stehenden Wachtürmen das Landschaftsbild. Sein Verlauf ist an vielen Stellen noch klar erkennbar und nahezu überall nachgewiesen. Es fällt schwer, sich auszumalen, wie auf der Straße hinter dem befestigten Wall römischer Legionäre in voller Rüstung patroullierten, wie Hundertschaften über die Kastellverbindugsstraßen marschierten und wie auf den Hauptstraßen ganze Legionen nach Norden zum Einsatz oder nach Süden in die Etappe zogen. Die Wachtürme waren dauernd besetzt. Der wachhabende Soldat stand am oberen Ausguck und beobachtete das Land jenseits der Grenze. Bei Gefahr gab er Horn-, oder Rauchsignale an die Nachbartürme und die im Hinterland liegenden Signalstationen. Die Kastelle wurden alarmiert und bald rückten die bis an die Zähne bewaffneten Grenzgruppen an. Südöstlich von Wilburgstetten erreicht der Rätsche Limes bayerisches Territorium. Mitte des vorigen Jahrhundert begann die planmäßige Erforschung dieses einzigartigen Bodendenkmals. Im Wald rechts der Straße von Wilburgstetten nach Weiltingen ist der Limes streckenweise als flacher, vom Waldboden überwachsener Bruchsteinwall zu sehen. Vor Weiltingen überquert er an der "roten Furt" die Wörnitz, berührt Wörnitzhofen, läßt das Dorf Ruffenhofen , dessen Kirchturm auf einem römischen Fundament stehen soll, rechts liegen, führt über das Höhenried nach Untermichelbach, durch das Bauernanwesen Neumühle und macht bei Dühren einen Knick nach Osten. Wir folgen den Limes über Dühren nach Ammelbruch, diese Ortsverbindungsstraße dürfte der alten Trasse folgen. In unmittelbarer Nähe des Durchgangs wurden die Fundamente eines Wachturms freigelegt und teilweise rekonstruiert. Nun geht`s weiter nach Osten und überqueren die Straße Grüb-Beyerberg. Ein Flurweg in Richtung Ehingen verläuft direkt auf dem Limes, der kurz vor Ehingen die Straße Ehingen-Beyerberg kreuzt und mitten durch den "Pfahl"weiher (lat. Palus, erinnert an die ursprüngliche Ausführung als Palisadenzaun" führt. Hier ist es leicht, sich vorzustellen, wie die Grenzmauer mit ihren Wachtürmen die Landschaft beherrschte. Vor einigen Jahren wurden im Sumpfboden des "Pfahl"weihers Reste von Pfählen entdeckt, die den Grenzzaun und später die Mauer trugen. Weiter nördöstlich, wo die Straße Ehingen-Brunn den Wald erreicht , trat der Limes in den Wald ein und führte über die abfallenden Hügel zum Hammerschmiedweiher hinunter, in dem ebenfalls Pfahlreste festgestellt wurden. Unmittelbar am Kastell Dambach vorbeiführend verschwindet er nach Osten im Wald, wo nach einigen hundert Metern kurz vor der Überquerung der Kreisstraße Wassertrüdingen - Ansbach auf eine längere Strecke Mauerreste anzutreffen sind. Jenseits der Straße verläuft er im Wald weiter nach Osten. Er durchquert den im Rahmen der Flurbereinigung neu angelegten Dennenloher See. An dessen Ostseite, unmittelbar am Seeufer, steht eine gelungene Rekonstruktion aus Bruchsteinen, die den Eindruck von der Art und Größe der einst landschaftsprägenden Mauer vermittelt. Von dort verläuft die Trasse am Waldrand den Hügel hinauf durch Kleinlellenfeld in Richtung des Kastells Gunzenhausen. Nach der Erstürmung durch die Alamannen um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurde der Limes von den Römern aufgegeben. Langsam verfielen die Befestigungsanlagen. Noch lange behielt er seine beherrschende Rolle in der Landschaft. Er markierte Flurgrenzen und bestimmte den Verlauf von Feldwegen und Stassen.
Vicus: lat. " Dorf". Im Zusammenhang mit römischen Kastellen sind die Lagerdörfer gemeint, die an den zum Kastell führenden Straßen angelegt waren. Sie beherbergten die Familien der Legionäre, ausgediente Soldaten, Handwerker, Händler und Leute, die zur Versorgung der Kaserne beitrugen. Zu den Dörfern gehörten verschiedene öffentliche Bauten wie Bäder, Tempel, Versammlungsräume und kleine Theater. An den "vicus" schloss sich meist ein Friedhof an, auf dem die Bewohner, wie auch verstorbene Soldaten aus dem Kastell bestattet wurden. Rechts der Straße von Altentrüdingen nach Unterschwaningen lag auf einer flachen Terrasse das Kastell Unterschwaningen. Es hatte mit Sicherheit eine größere Bedeutung als nur ein Marschlager. Nach den Grabungsfunden war es weitgehend aus Holz ausgeführt und wurde zugunsten von Dambach, vermutlich wegen dessen strategisch besseren Lage, aufgegeben. Auf dem Gelände stand später eine "villa rustica".
Die "villa rustica" Zur Versorgung der Truppen in den Kastellen wurde ein dichtes Netz von "villae rusticae" eingerichtet. Es handelt sich um landwirtschaftliche Gutshöfe für Ackerbau und Viehzucht. Sie waren bevorzugt in Lagern mit ertragreichen Böden angelegt. Ausgegrabene und gut rekonstruierte Höfe dieser Art finden sich südöstlich von Hüssingen, in der Nähe des Hahnenkammsees und bei den in anderen Zusammenhängen archäologisch interessanten "Offnethöhlen" südlich von Nördlingen. Insgesamt sind im Bereich des obergermanisch-rätischen Limes über 90 solcher Güter bekannt. Zur "villa" gehörte in der Regel das Hauptgebäude als Wohnung für die Familie des Besitzers, ein kleines Badehaus aus Stein, Schuppen, Speicher, Ställe sowie das Areal von 2 bis 4 ha umfriedende Steinmauer. Die Besitzer gelten, nach Grabungsbefunden zu schließen, in der Regel als sehr wohlhabend. Sie waren als Kolonisten ins Land gekommen, oder als entlassene Soldaten im Land geblieben. Die Erzeugnisse hat man über Sammel- und Verteilstationen in die Kasernen gebracht.
Der Limes wurde von den nach Süden drängenden Kelten und später von den Germanen nie als Grenze akzeptiert. Die Notwendigkeit einer laufenden Verstärkung bis hin zu einer starken, wehrhaften Mauer mit Wachtürmen und einer dichten Kette von Kastellen beweist die ständige Bedrohung vom Norden her. So muss man sich etwa das Gebiet um Brunn, Ehrenschwinden ..., also die Wälder und sumpfigen Talmulden vor dem Limes, als geschütztes Aufmarschgebiet für häufige Überfälle auf die Mauer und schließlich auch auf die Kastelle denken. Die Angreifer brachen aus "waldigen Bergen und dunklen Verstecken" hervor und verschwanden rasch wieder in den Wäldern. Von den Alamannen und Sueben und den mit ihnen verbündeten Stämmen ist bekannt, dass sie Beutezüge über den Limes hinweg bis ins Voralpenland und sogar bis nach Norditalien wagten. Was weis man über die Germanen: Von den Römern waren die Germanen gefürchtet wegen ihrer Körpergröße und ihrer Kraft. Auffällig waren die helle Hautfarbe, die blauen Augen und das rotblonde Haar, das sie oft für den Kampf leuchtend rot färbten. Für die Arbeit und den Krieg waren sie praktisch gekleidet. Sie trugen gut geschnittene, eng anliegende Hosen, eine Art Strumpfschuh aus Fell oder Leder, die mit Riemen geschnürt wurden. Die jungen Männer gingen gern mit nacktem Oberkörper. Die Alten trugen ein wollendes Untergewand mit Ärmeln. Darüber legten sie ein Umschlagtuch, das sich zu einem Mantelumhang formen ließ. Die Frauen trugen knöchellange, hemdartige Kleider, die an beiden Schultern mit Spangen gehalten und durch einen Gürtel dem Körper angepasst waren. Sie wohnten in festen Behausungen aus Holz und Lehm. Um das 3. Jahrhundert vor Christus entstand eine art Einheitshaus, das Menschen, Vieh und Vorräte aufnehmen konnte. Noch Heute kann man diesen fortentwickelt und in Stein ausgeführt in Franken und Schwaben sehen. An den Wohnbereich schließt sich untern dem selben Dach Stall und Scheune an. Diese Anordnung erwies sich als außerordentlich praktisch, vor allem in der kalten Jahreszeit.
Um das Jahr 258 brach der Limes mit seinen Kastellen allmählich unter dem Druck der nach Süden drängenden Völker zusammen. Sicher trug dazu die innere Schwäche des römischen Weltreiches bei, welches nicht mehr in der Lage war, die gefährdeten Grenzen mit den nötigen Truppen auszustatten. Der sog. Alamannensturm war nach neueren Erkenntnissen kein konzentrierter Überraschungsangriff auf breiter Front, sondern ein sich über einen längeren Zeitraum hinziehenden Aufrollen der Grenzregionen durch die Alamannen. Abschnitt um Abschnitt, Kastell um Kastell wurden überfallen, die verteidigenden Truppen niedergemacht oder vertrieben. Erst an der Donau kam der Angriff allmählich zum Stehen. Im Kastell Ruffenhoffen gibt es Anzeichen eines überraschenden Überfalls mit nachfolgender Zersörung. Im Anschluss daran übernahmen die germanischen Alamannen das fruchtbare Ackerland. Die Orte auf -ingen verdanken diesem Vorgang ihren Namen, wobei meist der Name des Anführers der landnehmenden Gruppe namengebend gewirkt haben dürfte: Die Leute des Gerulf - setzten sich in Gerolfingen fest, die Leute aus Rocco - in Röckingen, die Leute aus Swaino - in (Ober- und Unterschwaningen), die Leute des Urso - in Irsingen. Mit der Inbesitznahme der Dörfer und Fluren, die bereits in keltischer Zeit bestanden hatten und grenzmäßig beschrieben waren, wurden sie sesshaft. Dies waren in der Regel die besten Böden Später ankommende Splittergruppen fanden nur noch an den Rändern auf den weniger ertragreichen und meist neu geordneten Sandböden einen Siedlungsplatz, allerdings vermutlich ohne keltische Vorbesitzer. Die damals höchstwarscheinlich noch vorhandene keltische Bevölkerung dürfte in der Gestalt von Dienstboten und Randsiedlern in der neuen Herrenschicht aufgegangen sein. Was wissen wir über die Alamnnen: Die Stammesbezeichnung Alamannen (auch Alemannen), germanisch "alle Männer", ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Kleinstämmen, wie die Sueben, Juthungen, Raetivarii u. a. welche sich zum Sturm auf die römische Nordgrenze zusammengefunden hatten. Sie stammten aus dem unteren Elbegebiet und Thüringen und treten um das Jahr 200 n. Chr. erstmals als fassbare geschichtliche Größe auf, als sie den rätischen Limes bedrohten. 212 dringen sie bis zum Oberrhein vor. 213 werden sie von Kaiser Caraalla zurückgeschlagen. 233/ 234 dringen sie über den Rhein ins Saarland und das Unterelsass ein und durchbrechen 258 / 259 endgültig den Limes. Noch im 3. Jahrhundert besiedelten sie das Dekumatenland, also das Gebiet zwischen Limes, Rhein und Donau, im 5. Jahrhundert auch die Nordschweiz und das Land zwischen Iller und Lech, schließlich noch das Elsass. Bei weiteren Ausbreitungsversuchen nach Norden und Westen kam es zu kriegerischen Konflikten mit den Franken, von denen sie 496 unter Chlodwig besiegt wurden. Von da an standen sie unter fränkischer Oberhoheit. Nach wiederholten Aufständen und Befreiungsversuchen gaben sie sich 746 bei Cannstadt endgültig geschlagen und erkannten die fränkische Vorherrschaft an.
Die Folgen der Auseinandersetzung zwischen Alamannen und Franken und der unaufhaltsame Aufstieg der Franken zur europäischen Macht lassen sich in Kleinformat in Gebiet um den Hesselberg in aufregender Weise nachvollziehen. Vom Ende des 5. Jahrhunderts an erscheinen die Franken als Besatzungsmacht zur Sicherung ihrer Vorherrschaft an der Wörnitz. Der Merowingerkönig Chlodwig eroberte das Land bis zur Altmühl. Im Grenzgebiet setzen sie zwischen die alamannischen Siedlungen fränkische Dörfer. Um 500 wird Westheim erstmals besiedelt. Die Orte auf -heim, -kirchen, -hofen, -hausen sind fränkische Gründungen. Sie bekamen die Aufgabe, fränkische Macht und Wirschaftsinteressen zu sichern. Wie ein Reißverschluß ziehen sich die alamannischen und fränkischen Orte durchs Hesselberggebiet. Sie hatten die Aufgabe, fränkisches Siedlungsgebiet mit den unterworfenen Alamannen zusammenzubinden. So war auch der Übergang vom heidnischen zur christlichen Zeit nicht mehr aufzuhalten. Bei den heidnischen Alamannen und Franken reichlichen Grabbeigaben verschwinden langsam mit der Ausbreitung des Christentums. Die Bestattungen werden in die Nähe der Kirchen verlegt. In Westheim wurde zu diesem Zweck eigens ein neuer Friedhof geschaffen. Diese Sitte hat sich in den meisten Gemeinden um den Berg bis Heute herhalten. Was wissen wir über die Franken: Die Franken sind ein germanischer Volksstamm, der im 2. und 3. Jahrhundert aus einem eher losen Verband mehrerer Völkerschaften entstanden ist und zunächst am Mittel- und Niederrhein ansässig war. Sie eroberten im 5. Jahrhundert Gallien und bildeten das "fränkische Reich". Im 6. Jahrhundert breiteten sie sich über das Gebiet von Mosel, Main und Neckar aus. Mit Karl dem Großen traten sie maßgebend in die deutsche und europäische Geschichte ein, stellten mehrere deutsche Kaiser (Salier) und siedelten schließlich durch die Ostkolonisation auch in Sachsen, Südbrandenburg, Schlesien und den böhmischen Randgebieten. Die Wörnitz gilt als Stammes- und Sprachgrenze zwischen den Alamannen und Franken, wobei die nördlich von ihr gelegenen Orte auf -ingen deutlich hörbar noch zum alamannischen Sprachbereich gehören. Der von Ost- nach West verlaufende Heideforst zwischen Unterschwaningen und Bechhofen ist als eigentliche Grenze der Franken anzusehen. In Bechhofen spricht man deutlich anders als in Beyerberg, Ehingen....
Mit hoher war Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass es unter den römischen Soldaten in den Kastellen und in den Familien im "vicus" bereits im 3. und 4. Jahrhundert Christen gab. Belege wurden allerdings bisher nicht gefunden. In Augsburg gibt des solche. Dort starben Christen in den Zeiten römischer Christenverfolgungen den Märtyrertod. Es dürfte sogar schon Bischöfe und mit ihnen eine organisierte Kirche gegeben haben. Die augsburgische Bistumsgrenze folgt in der Hesselberggegend auffallend genau der Linie des Limes, so das anzunehmen ist, dass sie schon zur Zeit der römischen Besatzung festgelegt wurde. Ein Teilstück ist in unserem Bereich deutlich zu verfolgen: Sie kommt von Weiltingen, führt über Irsingen zur Wunibaldsquelle, geht bei der Renngasse über die Wörnitz und teilt den Hesselberg im Westen dem Augsburger und im Osten dem Eichstätter Bistum zu. Der unauffällige Grenzstein für die Flurgrenze zwischen Röckingen und Gerolfingen links vom Weg zur Osterwiese markiert die uralte, bis heute gültige Bistumsgrenze. Historiker sehen auch in den Standorten von alten Marienkapellen Hinweise auf Christengemeinden, die schon während der Römerzeit gegründet wurden. Vom Jahr 431 an entstand an den alten Römerorten Kapellen, die der Maria geweiht wurden. Zu den Germanen kam die christliche Mission im 7. Jahrhundert auf dem Weg über Eichstätt und Heidenheim durch Missionare aus der angelsächsischen Kirche, die von dem Germanenmissionar und späteren Erzbischof von Fulda, Bonifatius ins Land gerufen wurden. Das von Eichstätt aus im Jahr 752 gegründete Kloster Heidenheim war ein Missionszentrum mit einer weit ins Land hinaus wirkenden Ausstrahlungskraft. Hand in Hand mit der christlichen Verkündigung kam Kultur ins Land. Das Kloster war zugleich ein Zentrum für die Ausbildung der Jugend, die Förderung der Landwirtschaft und auch für die christliche Diakonie, also ein Ort für Entwicklungshilfe. Die Erinnerung an die drei Missionsgeschwister Willibald (erster Bischof von Eichtätt), Wunibald (Gründungsabt von Heidenheim) und Walburga (Äbtissin von Heidenheim) ist in der Gegend bis Heute lebendig. Sie gründeten Gemeinden, bauten Kirchen, bildeten die jungen Leute aus und kümmerten sich um die Alten und Kranken. Im 8. Jahrhundert wurden Kappellen gebaut und geweiht und das Kreuz Jesu Christi aufgepflanzt. Schon im 10 Jahrhundert erfolgte die beständige Umgreifung der der einzelnen Pfarrein.
Wie aus dem Bonificale des Bischofs zu Eichstätt, Gundekar II. hervorgeht, hat dieser Bischof im Jahre 1058 in "Schwaningen" eine Kirche geweiht. Wie eingehende Forschungen ergeben haben, stand diese Kirche aber zweifellos in Oberschwaningen, so dass am Anfang Oberschwaningen die Mutterpfarrei war und Unterschwaningen "Filiale" gewesen ist. Im Jahre 1388 wurde auch in Unterschwaningen eine Kirche Geweiht - auf den Namen Jungfrau Maria - die von Oberschwaningen aus mitversorgt wurde. Im Copial-Buch des Klosters Heilsbronn findet sich ein Eintrag, das im Jahre 1331 in Oberschwaningen ein gewisser Pfarrer Stegherr amtierte. Es erhielt schließlich auch im Jahre 1466 Unterschwaningen eine eigene Kaplanei mit Frühmeßbesitz. Diese wurde durch Siegmund von Holzingen mit dem 3. Teil des Unterschwaninger Zehnten und dem Kröttenbacher Zehnten ausgestattet. So lagen die kirchlichen Verhältnisse bis zur Reformation. Die erste Kirche in Unterschwaningen wurde auf dem Gelände des heutigen Schulhofes errichtet. Die Grundrisse sind Heute im gepflasterten Boden erkennbar. Nach einem von Balthasar von Rechenberg zur Kirche geordneten Agendenbüchlein ist 1543 das Reformationsjahr für Unterschwaningen. Seit diesem Jahre hatte Unterschwaningen auch seinen ersten protestantischen Pfarrer mit Namen Johann Schäufelein. Sein Nachfolger war Pfarrer Wagner. Als 2. Seelsorger war in der Pfarrei Unterschwaningen ein protestantischer Kaplan (Diakonus Frisch) im Amt, welcher aber 1550 zum 1. evangelischen Pfarrer in Oberschwaningen investiert wurde. Von 1594 bis 1628 hatte Oberschwaningen 5 evangelische Pfarrer, welche zugleich in Unterschwaningen als Kaplane ihren Dienst verrichteten. Schon 1634 aber wurde die Kaplanei zu Unterschwaningen eingezogen und das ganze Kirchenwesen von Oberschwaningen und Unterschwaningen einem einzigen Pfarrer, nämlich dem von Unterschwaningen übertragen. So sank die einstige Mutterpfarrei nach 539 Jahren zur "Filiale" von Unterschwaningen herab. In Dennenlohe wurde auch eine Kapelle im Jahre 1496 von den damaligem Besitzern von Leonrodt, erbaut. Trotzdem gehörten die Bürger des Dorfes Dennenlohe zur Pfarrei Unterschwaningen.
Die Ritterburg und das erste Schloss Die Ritterburg der Familie Swaino erwarb im Jahre 1517 Ernst von Rechenberg von den damaligen Besitzern, den Söhnen des Hans von Gundelsheim. Danach erwarb das Haus Brandenburg das Rittergut schon im Jahre 1583 selbständig. Damit war der damalige Patronsherr von Unterschwaningen der Markgraf Georg Friedrich zu Brandenburg. Vom Reformationsjahr 1543 bis zum Jahre 1603, also genau 60 Jahre, konnten die evangelischen Gemeindemitglieder in Unterschwaningen ihren evangelischen Glauben leben. Nun kam 1603 Schloß und Gut "Swaino" in den Besitz des Obristen Christian Johann Philipp Fuchs von Bimbach. Dieser erbaute ein neues Schloß anstelle des uralten Ritterschlosses "Swaino". Als dieser 1626 in der Schlacht gegen den Kaiser Ferdinand II. den Tod fand, und die Güter vom Kaiser konfisziert werden sollten, gelang es einem Nachkommen des gefallenen Fuchs von Bimbach, dem Hans Karl von Fuchs, der katholisch geworden war, die Gnade des Kaisers zu gewinnen, um so in den Besitz und Gutes "Swaino" zu gelangen. Unter diesem Ritter brach für die evangelische Gemeinde Unterschwaningen eine traurige Zeit an. Am 15.02.1628 sperrte er die evangelische Kirche in Unterschwaningen zu und verjagte dessen evangelischen Pfarrer Wendelin Odontius. Alle Untertanen in Schwaningen mußten katholisch werden - bis auf vier die sich nicht zum katholischen Glauben zwingen ließen - klappte das auch. Es waren der alte Vogt (als damalige Amtsperson), der Gärtner, der Bäcker und der Wirt Rupprecht Walz. Doch schon nach 2 Jahren nahm diese gewaltsame Gegenreformation ein Ende. Durch den Vergleichs-Vertrag, den das Haus Brandenburg mit Karl von Fuchs schloß, kam dieses gegen eine Abfindung in den ungestörten Besitz von Schwaningen. Am 07.03.1630, den Sonntag Lätare, wurde der vertriebene Pfarrer Odontius und sein Diakon Ruding wieder eingestellt, die reine Lehre wieder eingeführt und alle Gewissensqualen hatten ein Ende. Auch Unterschwaningen hatte unter den Drangsalen des 30-jährigen Krieges zu leiden. 1634 zogen die Kaiserlichen nach Nördlingen. Wie aus einem Eintrag in der ältesten Pfarrmatrikel hervorgeht, wurde Pfarrer, Lehrer und die Gemeindemitglieder verjagt und sämtliche Pfarrregister von den Soldaten verbrannt sowie die Gebäude eingeäschert. Nur 5 Häuser blieben aus dieser Schreckenszeit in Unterschwaningen übrig. Nach der Schlacht bei Nördlingen wollten die Kaiserlichen die Kirche von Oberschwaningen sprengen, was aber durch das Einschreiten des brandenburgischen Herrscherhauses verhindert werden konnte.
Wir können diese Zeit wohl mit Recht die Glanzperiode der Pfarrei nennen. Nach dem 30-jährigen Krieg kehrten ruhige Verhältnisse ein, neue Gesetzte traten in Kraft und jeder konnte ungehindert seinen evangelischen Glauben leben. Durch markgräfliche Verfügungen wurden1643 dem Pfarrer Johann Georg Kepner die beiden Pfarreien Unter- und Oberschwaningen verliehen. Eine tiefgreifende Veränderung von weittragender Bedeutung trat 1712 ein. Markgraf Wilhelm Friedrich schenkte seiner Gemahlin Christiane Charlotte aus Anlass der Geburt des ersten Prinzen, Karl Wilhelm Friedrich im Mai 1712, den ganzen Ort "Schwaningen". Diese Markgräfin sorgte mit mütterlicher Treue für ihre Untertanen. Sie erneuerte auch das von Fuchs erbaute Schloß und erbaute ein zweites Prachtgebäude, das Sommer-Palais, mit herrlichen Gartenanlagen, einem Lustkanal zum Kahnfahren, mit Kiosk und einer Lindenallee um das ganze Dorf herum. Damit wurde Unterschwaningen ein herrlicher Fürstensitz. Die Einwohner kamen aus der bitteren Armut heraus und hatten alle Arbeit und Brot. Am 1. Weihnachtstag 1729 starb die Markgräfin Christiane Charlotte. Aus Dank für die Entbindung des ersten Prinzen schenkte der "wilde Markgraf", Carl Wilhelm Friedrich seiner Gemahlin, ihre königliche Hoheit, der Markgräfin Friederica Luise am 07.04.1733 das ganze Schloß "Schwaningen". Unter der milden Regierung dieser Fürstin geschahen die wichtigsten kirchlichen Ereignisse. Sie erbaute die dritte Kirche. Während der Markgraf Carl Wilhelm Friedrich bereits 1748 verstarb, lebte die Markgräfin als Witwe, bis sie am 04.02.1757 aus diesem Leben gerufen wurde. So ging die Wohltäterin aus Unterschwaningen in die Ewigkeit, die eine markgräfliche Armenkasse gestiftet hatte und deren Herz gerade den Armen gehörte. Ihr Sohn, der Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander (Kurz: Alexander genannt) schenkte auch seiner Gemahlin, Friederika Caroline von Sachsen-Coburg 1783 Unterschwaningen. Auch sie war eine Freundin der Armen. Nachdem diese Markgräfin am 18.02.1791 in die Ewigkeit gerufen wurde, trat ihr Gemahl sein Fürstentum an Preusen ab. Nach ihrem Tod blieben die Schloßräume leer und verfielen mehr und mehr. Alle Handwerker, die am Hofe arbeiteten verarmten. Im Jahre 1805 kam das Fürstentum Ansbach an die bayerische Krone. Als 1806 das Kurfürstentum Bayern Königreich wurde, war auch die Pfarrei eine königlich bayerische geworden. Da die Unterhaltung der zwei Schlösser, sowie der vielen Schloßgebäude und Anlagen dem bayerischen Finanzministerium zu hoch war, kam bereits 1810 alles für einen Spottpreis unter den Hammer. Die Hofgärten wurden in Acker und Wiesen verwandelt. Nur die Beamtenwohnungen, Stallungen und Lagerräume blieben erhalten und stehen noch neben den 4 Gartenpavillons als letzte Reste einer großen Zeit. Das herrliche Bauwerk aus der Markgrafenzeit ist und bleibt unsere schöne Kirche.
Die alte, im Jahre 1388 erbaute Kirche war nicht mehr zweckentsprechend, dazu in einem schlechten Zustand und viel zu klein. Die Markgräfin Friederike Luise fasste deshalb den Entschluss eine neue Kirche zu bauen. Am 23.12.1737 wurden mit dem markgräflichen Baumeister Münzum die ersten Verhandlungen wegen des Abbruchs der alten Kirche geführt. Der Abbruch erfolgte. Die Orgel wurde peinlichst abgebaut und sorgfältig im Sommer-Palais wieder zum Verkauf an eine andere Gemeinde wieder aufgebaut. Für die Übergangszeit wurde eine Interimskirche, im Zwerbau der Schloßanlage eingerichtet. Nun wurden Kaufverhandlungen wegen des Kirchenbauplatztes mit dem Hofbesitzer Gallus Kriegbaum geführt. Durch Vertrag vom 27.11.1738 verkaufte dieser sein Hofgrundstück als Kirchenbauplatz. Es ist das Gelände, wo noch heute die Kirche steht. Die notwendigen Quadersteine sollten in Steinbruch, den sog. Bechgruben in Wassertrüdingen unentgeltlich gebrochen werden, so das die Steine quasi nichts kosteten. Am Montag, den 22.09.1738, dem Tage des Apostel Matthäus fand die feierliche Grundsteinlegung statt, zu der der als Vertretung der Regierung Gottfried von Boit erschienen war. Der amtierende Pfarrer war damals Julius Körner. In das Fundament wurde eine in einen Stein eingefügte, aus Zinn durch Hofsekretär Dietz gestochene Platte, sowie ein Glaskästlein mit besonders gemünztem Geld, sowie 4 Getreidearten, nämlich: Korn, Gerste, Weizen und Hafer eingemauert. Viele Evangelische waren zu dieser Grundsteinlegung aus Nah und Fern gekommen. Auch eine Menge Katholiken nahmen daran teil. Zum Schluß sang man das Lied "nun danket alle Gott" und es wurde eine Kollekte erhoben. Nun ging es mit aller Kraft an den Neubau der Markgrafenkirche, der von 1738 bis 1740 dauerte. Als 1740 der Dachstuhl aufgerichtet war, baute man noch 3 Jahre am Turm, der fast 50 m hoch wurde. Dieser Kirchturm, der den sog. "protestantischen Barock" aufweist und Schönheit und Harmonie in sich vereinigt, grüßt weit ins Land hinaus. Der Erbauer und Architekt der Kirche war der damalige Direktor des markgräflichen Bauwesens in Ansbach - Leopold Retty, der auch der Erbauer des Stuttgarter und Kirchheimer Schlosses ist. Direktor Retti starb 1758 in Paris. Die Maße unserer schönen Markgrafenkirche sind: a) außen: Ganze Länge 34 m, Breite 17,50 m, Dachhöhe ca. 24 m, Turm Höhe ca. 46 m. b) innen: Schiff: Länge 29 m, Breite, 14,65 m, Höhe 13,60 m, Sakristei: Anbau, Länge 3,30 m, Breite 7,10 m, Höhe 14,30 m. Es darf nun aber niemand meinen, dass der Markgraf diese schöne Kirche auf seine Kosten bauen ließ. Der Markgraf lieferte wohl Holz, Ziegel und dgl., forderte aber für seine Auslagen Rückersatz von der Kirchenstiftung. So mussten die Mittel zum Kirchenbau aus dem Erträgnissen des Zehnten. (sog. Pfarrzehnten) und durch Kollekten und Spenden aufgebracht werden. Die innere Ausstattung der Kirche hat der Markgraf selbst übernommen, z.B. die Glocken, die Orgel und das Gestühl, wahrscheinlich auch den Altar und die Kanzel. Im Jahre 1743, am 12. Mai erfolge die Einweihung dieser herrlichen Kirche unter großem Gepränge. Ihre königliche Hoheit war mit allen Ministern, Räten und dem ganzen Hofstaat erschienen und im Markgrafenstand anwesend. Die Urkunde gibt genauen Aufschluß, wie alles bis aufs Kleinste gregelt war, z. B. wo das Volk aus allen 4 Gemeinden mit allen Kindern plaziert wurde. Es war eine Pracht sondersgleichen. Die Festpredigt hielt Hofprediger Esenbeck, über 1. Mose 28 und 17 weil der Ortspfarrer Senior Körner erkrankt war. Die Kirche selbst ist unter Anrufung der "allerheiligsten unzertrennlichen Drei-Einigkeit" geweiht worden. Sie trägt deshalb den Namen "Dreifaltigkeitskirche". Die 4 Glocken verleihen unserer Kirche ein herrliches Geläute. Sie wurden alle in höchster Gegenwart Ihrer königlichen Hoheit direkt in Unterschwaningen gegossen und zwar, wie das alles auf den Glocken zu lesen ist, von Nikolaus und Claudius Arnold aus Dinkelsbühl, sonsten aus Lothringen, 1741. Nun begann in Unterschwaningen eine sehr schöne Zeit, in der an allen Sonn- und Feiertagen der ganze Hofstaat zur Kirche zog. Während die Markgräfin von ihrem Markgrafenstand aus den Gottesdienst beiwohnte, nahmen die Minister und Räte in den Chorstühlen platz. Die 1742 vom Hoforgelbauer Prediger aus Ansbach für unsere Kirche erbaute Orgel wurde demontiert und durch Hoforgelbauer Steinmayer aus Oettingen ganz erneuert. Am 30.03.1806 war die Orgelweihe. Immer wieder zeigte sich die Gemeinde opferbereit für die Kirche. Dazu wurden bis zur Jahrhundertwende von einzelnen Gemeindemitgliedern verschiedene Stiftungen und Vermächtnisse für die die Kirche gemacht. 1883 eine namhafte Geld- und Biesenstiftung. Im Jahre 1891 erfolgte eine notwendige Kirchenreparatur, die Orgel wurde auch überholt. 1912 wurde eine neue Turmuhr angeschafft. 1913 wurde ein neues Cruzifix gestiftet. Herr Pfarrer Schmidt begann 1963 eine Neurenovierung unserer Kirche, hier stellte sich wiederum die ganze Gemeinde freudig zur "Opferbreitschaft" hinter dieses wichtige Vorhaben. Hinzu kam der Umbau des Pfarrhauses. Herr Pfarrer Theo Renner rief die Gemeindemitglieder zur Erneuerung und zum Erhalt unserer schönen Kirche auf. Sie sollte durch Spenden renoviert werden. Es ist Herrn Pfarrer gelungen, die Bevölkerung für das Vorhaben zu begeistern. Es wurde außen der Verputz abgeschlagen. Da hat man festgestellt dass das Muster einiger Steine anders war. Die Kirche wurde außen mit neuen wetterfesten Materialien angestrichen und im Inneren der Kirche wurde auch alles neu gestrichen. So das sie heute im neuen Glanz erstrahlt.
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